> Hygieneverordnung


.kennen Sie sich damit aus?

Diese Fragen hören wir tÀglich auf den Messen. Grund genug einmal mehr darauf einzugehen und Ihnen auch hier qualifiziert mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Die Themen:


Haut- und Schleimhautdesinfektion beim Kunden (Antisepsis)

Vor TĂ€tigkeiten, die bestimmungsgemĂ€ĂŸ oder unbeabsichtigt zur Verletzung der Haut fĂŒhren (z.B. beim TĂ€towieren, Piercen, Ohrlochstechen, bei der Fußpflege, ManikĂŒre) ist die Haut zu desinfizieren. Hierzu ist ein geeignetes alkoholisches Hautdesinfektionsmittel der DGHM-Liste zu verwenden. Die zu desinfizierende HautflĂ€che ist mit dem Desinfektionsmittel zu benetzen und muss mindestens 15 Sekunden einwirken (Herstellerangaben beachten). Die Haut ist wĂ€hrenddessen feucht zu halten – es darf nicht nachgewischt werden. Von einer ausreichenden Desinfektion kann nur bei Einhalten der Mindesteinwirkungszeit ausgegangen werden. Zur Schleimhautdesinfektion ist ein Schleimhautdesinfektionsmittel zu verwenden. Die Einwirkungszeit des Schleimhautdesinfektionsmittels betrĂ€gt in der Regel mindestens eine Minute, um eine ausreichende Keimverminderung zu gewĂ€hrleisten. Ist es gezielt oder versehentlich zu einer Hautverletzung gekommen, ist die Wundregion mit einem geeigneten Antiseptikum zu behandeln. Unbeabsichtigte, d.h. unfallĂ€hnliche Verletzungen sind zu dokumentieren. zur Übersicht

Instrumentenaufbereitung

Vorbemerkungen

SterilitĂ€tspflichtige Verrichtungen im Sinne des § 2 Abs. 2 der Hygiene-Verordnung sind Maßnahmen, die gezielt, quasi operativ, zu einer Verletzung der Haut oder Schleimhaut des Kunden fĂŒhren – z. B. beim TĂ€towieren, Piercen und Ohrlochstechen. Durch die dabei regelmĂ€ĂŸig eröffneten WundflĂ€chen bzw. WundkanĂ€le besteht ein hohes Risiko fĂŒr allgemeine lokale Haut- bzw. Wundinfektionen bis hin zur Sepsis. Diese Maßnahmen dĂŒrfen nur mit sterilen Einmal- oder steril aufbereiteten Mehrfachinstrumenten auf sorgfĂ€ltig desinfizierten HautoberflĂ€chen durchgefĂŒhrt werden. In der Regel empfiehlt es sich, fĂŒr derartige TĂ€tigkeiten Einmalmaterialien (z.B. Einmalrasierklingen, Einmalskalpelle, Einmalnadeln zum Ohrlochstechen, Piercen oder TĂ€towieren etc.) zu verwenden, die nach Gebrauch verworfen werden mĂŒssen. Zur Wiederverwendung geeignete Instrumente mĂŒssen sachgerecht aufbereitet, sterilisiert und bis zur nĂ€chsten Anwendung steril aufbewahrt werden. GrundsĂ€tzlich gelten fĂŒr die sterilitĂ€tspflichtigen Verrichtungen auch die nachfolgenden Überlegungen bzgl. Desinfektionsmaßnahmen.

Desinfektionspflichtige Verrichtungen im Sinne des § 2 Abs. 3 der Hygiene-Verordnung sind Maßnahmen, die sich ĂŒblicherweise auf eine Behandlung der HautoberflĂ€che oder der Hautanhangsgebilde (NĂ€gel, Haare) beziehen, im Bereich der Podologie /Medizinischen Fußpflege auch auf deren krankhafte VerĂ€nderungen. Bei diesen – und auch den o.g. sterilitĂ€tsrelevanten – Maßnahmen besteht je nach Art des Vorgehens ein unterschiedliches Risiko, dass möglicherweise von einem Kunden stammende Krankheitserreger (HIV, Hepatitis-Viren, Eitererreger, Warzenviren etc.) auf Instrumente, GerĂ€te oder den Behandler und im weiteren möglicherweise auch noch auf die nĂ€chsten Kunden ĂŒbertragen werden (Infektionskette). Um dies zu unterbinden, sind geeignete Desinfektionsmaßnahmen geboten. Dabei gilt: mögliche Kontaminationen mit Krankheitserregern so frĂŒh wie möglich durch Desinfektion beseitigen, um unbeabsichtigte Verschleppung zu vermeiden. zur Übersicht

Ablauf der Instrumentenaufbereitung

Instrumente, mit denen die Haut oder Schleimhaut bestimmungsgemĂ€ĂŸ verletzt wird – z. B. beim TĂ€towieren, Piercen, Ohrlochstechen – sowie Instrumente, die bei einer medizinischen Fußpflege verwendet werden, sind grundsĂ€tzlich als kontaminiert anzusehen.

Instrumente des Friseurhandwerks, der ManikĂŒre und einfachen PedikĂŒre (grundpflegerische bzw. kosmetische Fußpflege) können aber auch zu versehentlichen Verletzungen fĂŒhren und sind dann ebenfalls als kontaminiert einzustufen. Ansonsten sind wegen des Restrisikos einer unbemerkten, geringfĂŒgigen Verletzung oder Kontamination alle Instrumente der Fußpflege grundsĂ€tzlich nach jedem Kunden (Fußpilz- und Warzenrisiko), in den ĂŒbrigen Anwendungen mindestens arbeitstĂ€glich aufzubereiten.

Zur Aufbereitung gilt folgende schrittweise Vorgehensweise: Erst (sofortige) Desinfektion zur Vermeidung einer Keimverschleppung und zum Schutz des Behandlers im Rahmen der weiteren Aufbereitung, in der Regel durch Einlegen in entsprechende Desinfektionslösung; dann Reinigung zur Beseitigung von Schmutz- oder DesinfektionsmittelrĂŒckstĂ€nden. Falls das Instrumentarium massiv verschmutzt und verklebt ist, ist gegebenenfalls eine aktive mechanische Reinigung erforderlich. Da es durch die dabei verwendeten Reinigungsmittel (BĂŒrsten, SpĂŒlwasser) zu einer Neukontamination mit verbliebenen Krankheitserregern oder sog. Nasskeimen etc. kommen kann, muss gegebenenfalls nochmals eine Desinfektion angeschlossen werden. Auch dann folgt nochmals eine Schlussreinigung zur Beseitigung von Resten der Desinfektionslösung; zuletzt Nachbereitung und Aufbewahrung: Instrumente, mit denen die Haut oder Schleimhaut bestimmungsgemĂ€ĂŸ verletzt wird – z. B. beim TĂ€towieren, Piercen, Ohrlochstechen – sind nach der Desinfektion und Reinigung in geeigneten Sets zu verpacken, zu sterilisieren (siehe unter Sterilisationsverfahren) und bis zur nĂ€chsten Verwendung steril zu verwahren. Instrumente der anderen Berufsfelder sind nach der Aufbereitung sauber und trocken aufzubewahren. Die AufbewahrungsbehĂ€ltnisse sind wöchentlich zu desinfizieren. FĂŒr den Bereich der medizinischen wie auch der kosmetischen Fußpflege ist – insbesondere bei ambulanter, aufsuchender TĂ€tigkeit – die Vorbereitung und Mitnahme einer ausreichenden Anzahl von InstrumentensĂ€tzen fĂŒr die erwartete Anzahl der Kunden erforderlich. Zwar können und sollen die gebrauchten Instrumente schon nach jedem Kunden in eine Desinfektionslösung eingelegt werden, jedoch ist aufgrund der erforderlichen Einwirkzeiten (meist bezĂŒglich Warzenwirksamkeit verlĂ€ngert) und fehlenden Nachreinigung eine sachgerechte Aufbereitung „unterwegs“ praktisch nicht möglich. zur Übersicht

Desinfektionsverfahren

Die Instrumentendesinfektion wird meist manuell durchgefĂŒhrt, wofĂŒr zwei verschiedene Verfahren zur VerfĂŒgung stehen, das physikalisch-thermische und das chemische Verfahren, wobei die thermische Desinfektion vorzuziehen ist, da sie die sicherere und preiswerteste Lösung ist. FĂŒr welche Methode der Instrumentendesinfektion sich der Anwender entscheidet, hĂ€ngt u.a. von der MaterialvertrĂ€glichkeit der Instrumente ab. zur Übersicht

Thermische Instrumentendesinfektion

Kochen mit Wasser: (mindestens) 3 Minuten Dampfdesinfektionsverfahren und weitere Verfahren nach der Liste der vom Robert-Koch-Institut (RKI) geprĂŒften und anerkannten Desinfektionsmittel und -verfahren (siehe unter Bezugsadressen). zur Übersicht

Chemische Instrumentendesinfektion

Es handelt sich hierbei um ein Eintauchverfahren mit einem chemischen Desinfektionsmittel, in das die Instrumente eingelegt werden. Verwendung sollten nur Mittel aus der Desinfektionsmittelliste der DGHM finden. Konzentration und Einwirkungszeit sind genau zu beachten. Die Instrumente mĂŒssen vollstĂ€ndig innen und außen mit Desinfektionsmittel bedeckt sein. Gelenkinstrumente wie Scheren sind zu öffnen. Desinfektionsmittelwannen sollten immer einen fest schließenden Deckel haben, damit die DĂ€mpfe nicht unnötig die Atemluft belasten. Desinfektionsmittelreste sind nach Beendigung der Einwirkungszeit unter fließendem Wasser grĂŒndlich abzuspĂŒlen, damit HautunvertrĂ€glichkeiten vermieden werden. Sichtbar verschmutzte Instrumente mĂŒssen nach der Desinfektion grĂŒndlich gereinigt werden. Danach muss die Desinfektion in einer frisch angesetzten Lösung wiederholt werden, da Verunreinigungen die Wirkung des Desinfektionsmittels beeintrĂ€chtigen können. Abschließend erfolgt eine NachspĂŒlung und die Trocknung des Instrumentes. Maschinelle Instrumentendesinfektionsverfahren sind mittels Bioindikatoren halbjĂ€hrlich auf Wirksamkeit zu prĂŒfen. zur Übersicht

Sterilisationsverfahren

Voraussetzung fĂŒr eine erfolgreiche Sterilisation ist eine ausreichende Desinfektion, Reinigung, SpĂŒlung, Trocknung und eine geeignete Verpackung der Instrumente. Zur Auswahl stehen zwei verschiedene Sterilisationsverfahren, die Dampfsterilisation (Autoklavierung) und die Heißluftsterilisation. Welches Verfahren angewendet wird, hĂ€ngt von der Materialbeschaffenheit des Sterilgutes ab. Heißluftsterilisation ist nur fĂŒr hitzebestĂ€ndige Materialien wie fĂŒr Glas und Metall anwendbar, Dampfsterilisation darĂŒber hinaus auch fĂŒr bestimmte Gummiarten, Kunststoffe und Textilien. zur Übersicht

Dampfsterilisation

Gereinigte Instrumente werden hierfĂŒr nach der Trocknung in dampfdurchlĂ€ssiges Sterilisierpapier verpackt bzw. in eine Sterilisierfolie eingeschweißt. Die Dampfsterilisation erfolgt ĂŒblicherweise bei 134 °C mit einer Einwirkungszeit von fĂŒnf Minuten bei 2 bar ĂŒber Normaldruck oder bei 121 ° C mit einer Einwirkungszeit von 20 Minuten bei 1 bar ĂŒber Normaldruck. Zu beachten ist, dass die Betriebszeit (ca. eine Stunde) wesentlich lĂ€nger ist als die eigentliche Einwirkungszeit (Empfehlung von ERLINDA). zur Übersicht

Heißluftsterilisation

Gereinigte Instrumente werden hierfĂŒr nach der Trocknung in Alufolie verpackt oder in kleine SterilisierbehĂ€lter (Metallcontainer) gelegt. Die Heißluftsterilisation erfolgt bei 180 °C mit einer Einwirkungszeit von 30 Minuten oder – seltener – bei 160 °C mit einer Einwirkungszeit von 200 Minuten (Empfehlung von ERLINDA).

FĂŒr beide Verfahren gilt: Das Sterilgut muss stets mit dem Sterilisierdatum und einem Behandlungsindikator versehen werden. Zudem sind die Sterilisationsverfahren nach 400 Chargen, jedoch mindestens halbjĂ€hrlich mittels Bioindikatoren auf Wirksamkeit zu ĂŒberprĂŒfen. Nachweise der ÜberprĂŒfung mittels Bioindikatoren sind aufzubewahren und auf Verlangen dem zustĂ€ndigen Gesundheitsamt – bei der infektionshygienischen Überwachung nach § 36 Abs. 2 Infektionsschutzgesetz (IfSG) – vorzulegen. Nach der Sterilisation muss das Sterilgut staubgeschĂŒtzt bei Einhaltung der Lagerfristen (maximal sechs Monate) in einem Schrank oder in einer Schublade gelagert werden. Heißluft- und Dampfsterilisatoren unterliegen in der Regel den Vorschriften des Medizinproduktegesetzes (MPG). Auf der Grundlage des MPG wurde die Medizinprodukte- Betreiberverordnung (MPBetreibV) erlassen. Nach deren Regelungen dĂŒrfen Sterilisatoren nur von Personen betrieben, angewendet und instand gehalten werden, die dafĂŒr die erforderliche Ausbildung oder Kenntnisse und Erfahrung besitzen (§ 2 Abs. 2 MPBetreibV). Der Anwender hat sich vor der Anwendung von der FunktionsfĂ€higkeit und dem ordnungsgemĂ€ĂŸen Zustand zu ĂŒberzeugen und die Gebrauchsinformation zu beachten (§ 2 Abs. 5 MPBetreibV). Das MPG und die MPBetreibV sind auf den Internetseiten des Bundesministeriums fĂŒr Gesundheit und Soziale Sicherung zu. zur Übersicht

Begriffsbestimmungen

Mikroorganismen: Bakterien, Viren, Pilze.

infektiös: FĂ€higkeit eines Mikroorganismus, sich von einem Organismus auf einen anderen, z.B. von Mensch zu Mensch, ĂŒbertragen zu lassen und bei ausreichender Konzentration eine Infektionserkrankung zu verursachen.

Kontamination: Anhaftung von Mikroorganismen an Instrumenten, OberflÀchen oder HÀnden mit der Gefahr einer Weiterverbreitung.

Antiseptikum: Gegen Wundinfektion örtlich wirksames Mittel.

Desinfektion: Bei der Desinfektion werden krankmachende Mikroorganismen bis auf die hitzestabilen Dauerformen abgetötet oder inaktiviert, so dass sie keine Infektionskrankheiten mehr verursachen können.

Sterilisation: Im Gegensatz zur Desinfektion werden bei der Sterilisation alle vorhandenen Mikroorganismen einschließlich ihrer Sporen (auch der hitzestabilen = Dauerformen) abgetötet oder inaktiviert.

Behandlungsindikator: Dient der Kontrolle, ob das Sterilgut dem Sterilisationsprozess ausgesetzt war und beruht auf einer chemischen Reaktion. Relativ unspezifisch, da durch verschiedene Faktoren beeinflussbar.

Bioindikator: Mikroorganismen auf einem TrĂ€germaterial zur PrĂŒfung der Wirksamkeit von Sterilisations- und Desinfektionsverfahren anhand der Abtötung der im PrĂ€parat enthaltenen Testkeime. zur Übersicht